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Kurzbeschreibung des DeveloPPP Kenia Projektes

 

Viel Wissen und Erfahrung sind für die Planung, den Bau, die Inbetriebnahme und das sichere und rentable Betreiben von Biogas-Großanlagen notwendig. Dieses Wissen ist in vielen afrikanischen Ländern nicht vorhanden. Ziel des Vorhabens ist es, durch entsprechende Maßnahmen des Capacity Development (z.B. Training of Trainers, Aufbau eines Biogasschulungs- und Informationszentrums, Einrichtung eines Test- und Analyselabors) afrikanischen Stakeholdern, Ingenieuren, Technikern, Mitarbeitern im Biogassektor sowie Studenten relevanter Fachrichtungen allgemeines Wissen zur Biogastechnologie, Wissen zum sicheren und effektiven Betreiben moderner Biogas-An­lagen sowie Know-how zur deren Kontrolle, Wartung und Reparatur zu vermitteln. Um dieses Wissen auch nachhaltig in den Strulturen vor Ort zu verankern, werden das Kenyan Industrial Research and Development Institute (KIRDI) als multidisziplinäre Forschungseinrichtung für industrielle und Industrie nahe Technologien sowie die University of Nairobi als Partner in das Vorhaben eingebunden. Der Wissenstranfer soll bei den afrikanischen Stakeholdern fundiertes Wissen rund um das Thema Biogas verankern. In Kenia werden somit Strukturen geschaffen, die den Betrieb von Biogasanlagen sicherer und betriebswirtschaftlich ren­tabler machen und einen weiteren Ausbau der Energieerzeugung durch Biogas als alternative Energie­form begünstigen und vorantreiben.

 

Ausgangssituation aus entwicklungspolitischer Sicht

 

Wie in vielen afrikanischen Ländern, ist auch die Energieversorgung Kenias durch eine nicht vorhandene, bzw. oft unterbrochene Versorgung mit elektrischem Strom gekenn-zeichnet. Gleichzeitig gibt es auch in diesem ostafrikanischen Land keine geregelte, flächendeckende Abfallentsorgung, weder für anorganische noch für organische Abfallstoffe. Gerade Letztere können jedoch durch entsprechende Maßnahmen eine Weiterverwertung bzw. Inwertsetzung erfahren. Eine dieser Maßnahmen ist die Ver-gärung organischer Abfallstoffe in einer Biogasanlage, die Energie in Form von Wärme und/oder Strom abgibt und zusätzlich als weiteres Endprodukt wertvollen Dünger liefert. Diese Vorteile führten dazu, dass in den vergangenen 10 Jahren vor allem im kleinbäuerlichen Bereich Kenias Biogasanlagen Einzug gehalten haben. In jüngster Zeit wird nun aber auch auf agro-industrieller Ebene die Erzeugung von Biogas als Möglichkeit zur Stromerzeugung angesehen, sodass mehrere Biogas-Großprojekte im Leistungsbe-reich von 1-5 MW in der Entwicklungphase  bzw. bereits in Betrieb sind (Gorge Farm, 2.4 MW / VegPro 2 MW / Baringo 10 MW / La Terre Clean Energy). Die Anlagen dienen zur Eigenstromerzeugung für die agro-industriellen Betriebe, die als Standorte der Anlagen dienen und bei denen die organischen Abfälle für die Gas- und Stromerzeugung meistens direkt in großen Mengen anfallen. So verringern die Betriebe ihre Abhängigkeit vom störanfälligen nationalen Stromnetz bzw. begrenzen den Einsatz von Diesel-Backup-Systemen auf ein Minimum.

 

Die Regierung Kenias hat sich aufgrund der prekären Energiesituation des Landes unter anderem zum Ziel gesetzt, bis 2017 mindestens 50 MW an elektrischer Leistung durch Vergärung von Abfällen in Biogasanlagen zu erzeugen. Anreiz soll dafür auch ein nationales Stromeinspeisungsgesetz sein. Da die Vergütung von Strom aus Biogas jedoch nur US$ 0,10/kWh beträgt, die Stromkosten aus dem Netz für die Agroindustrie jedoch zwischen US$ 0,16 und 0,21 liegen, dient der durch Biomasse in Großanlagen erzeugte Strom den Betrieben in der Regel dem eigenen Verbrauch. Ein Ausnahme bildet die von SLP und Tropical Power gebaute Anlage (Gorge Farm Energy Power biogas plant), die Aufgrund ihrer Effizienz überschüssigen Strom auch ins nationale Stromnetz eingespeist.

 

Die Anlagen von Snow Leopard Projects unterscheiden sich von den allermeisten der weltweit in Betrieb befindlichen Biogasanlagen dahingehend, dass sie mit einer vorge-schalteten Batch-Hydrolyse arbeiten. Durch dieses zweistufige Verfahren laufen die Prozesse der Hydrolyse und Versauerung räumlich getrennt vom Prozess der Methanisie-rung ab. Dadurch kann eine Optimierung der jeweiligen Lebensbesdingungen der Hydrolysebakterien und die der Methanbakterien erreicht werden, wodurch sich zwei wesentliche Vorteile ergeben: zum einen lässt sich die Gasausbeute um bis zu 30% gegenüber einstufigen Anlagen steigern; zum andern kann die Anlage mit den unter-schiedlichsten organischen Abfallstoffen betrieben werden (Stärke-, Brau-, Blumen-, Gemüse-,Früchte-, Schlachtshausabfälle u.v.a.m), was in einstufigen Anlagen nicht möglich ist. Die unvergorenen Reststoffe sind ein wertvoller organischer Dünger, der den Einsatz von minerallischem Kunstdünger ersetzen kann.

Viel Wissen und Erfahrung sind für die Planung, den Bau, die Inbetriebnahme und das si­chere und rentable Betreiben solcher Biogas-Großanlagen notwendig. Hinzu kommt ein hoher Kapitaleinsatz, der verlangt, dass die fertige Anlage optimale Erträge erwirtschaftet. So müssen die Pla­ner und die Betreiber von Biogas-Anlagen spezielles und fundiertes Wissen aufweisen, um zum einen eine ausreichende Rendite zu erwirtschaften, zum andern aber auch zusätzlich vorhandene Risiken, die aus den technischen und biologischen Gegebenheiten solcher Anlagen resultieren, zu vermeiden. Zu letzteren gehören umwelt- und seuchenhygienische sowie Unfall-, vor allem Brand- und Explosionsrisiken.

 

Das Unternehmen SLP ist sich dieser Problematik bewußt und möchte alles daransetzen, zusammen mit lokalen Partnern Capacity-Development-Maßnahmen zu dieser Technologie durchzuführen und dadurch bei den afrikanischen Stakeholdern relevantes fundiertes Wissen zu verankern.

 

Projektziele

Ziel des Vorhabens ist es, durch entsprechende Maßnahmen des Capacity Development  (z.B. Training of Trainers, Aufbau eines Biogasschulungs- und Informationszentrums, Einrichtung eines Test- und Analyselabors) afrikanischen Stakeholdern, Ingenieuren, Technikern, Mitarbeitern im Biogassektor sowie Studenten relevanter Fachrichtungen all­gemeines Wissen zur Biogastechnologie, Wissen zum sicheren und effektiven Betreiben moderner Biogas-An­lagen sowie Know-how zur deren Kontrolle, Wartung und Reparatur zu vermitteln. Dadurch wird es möglich, Biogas als alternative regenerative Energieform verstärkt und nachhaltig in Kenia und anderen afrikanischen Ländern einzusetzen sowie ökonomisch und ökologisch vorteilhaft und sicher anzuwenden.

 

Maßnahmen

1. Ausbildung von zwei lokalen Trainern

Je ein Mitarbeiter der Projektpartner KIRDI, University of Nairobi und Tropical Power werden als Multiplikatoren für einen Wis­senstransfer hinsichtlich wissenschaftlicher und technischer Aspekte des Biogas-Sektors sowie hinsichtlich von Training Skills zur Weitergabe des Wissens geschult. Die am Trainingsprogramm teilnehmenden Personen haben bereits Kenntnisse der Biogastechnologie. Die Ausbildung findet sowohl in Kenia als auch in Deutschland statt. Der geplante, dreiwöchige Aufenthalt in Deutschland beinhaltet ein Schulungs­programm bei SLP in Reisbach, auch durch einen Mitarbeiter der Hochschule für An­gewandte Wissenschaft und Kunst HAWK (siehe Kap. 2.2.3), eventuell vor Ort in Göttingen und am TFZ (Techno­logie- u. Förderzentrum) in Straubing sowie die  Be­sichtigung und ein Praxistraining an mehreren SLP-Biogasanlagen. SLP hat hinsicht­lich der Organisation und der In­halte der Schulungen bereits umfangreiche Erfahrung (z.B. als externer Partner des develo­PPP.de-Projekts der Firma Kepler in Peru). Eine zweiwöchige ergänzende Schulung der Trainer in Kenia am Standort Gorge Farm er­weitet das in Deutschland erworbene Wissen um die für Kenia spezifischen Para­meter.

Themen der Schulung sind u.a.: Mikrobiologie, Beschickung, Ablaufprozesse, BHKW-Technik, Kontrolle, Pflege und Wartung, Bestimmung des FOS-/TAC-Wertes,  Ener­gie-, Schadens- und Sicherheitsmanagement, Abrechnung für Strom, Kosten-faktor Eigenstrom.

 

2. Einrichtung eines Biogas-Schulungs- und Informationszentrums auf dem Ge­lände eines Projektpartners und Durchführung von Fort­bildungsmaßnahmen für Ingenieure, Techniker, Handwerker und Studenten:

Die geschulten Trainer werden in dem neu einzurichtenden Biogas-Schulungs- und Infor­mationszentrum ihr erworbenes Wissen weitergeben.  Zielgruppen sind dabei zum ei­nen Betriebsleiter für Biogasanlagen, die über ein breit gestreutes Biogas-All­round­wissen verfügen müssen und dieses dann an diejenigen Personen weitergeben wer­den, die im unmittelbaren Umfeld der Anlagen arbeiten. Weitere Zielgruppen sind lo­kale Ingenieure und Techniker, die sich mit der Planung und dem Bau von Biogas-Anlagen befassen, Handwerker, die sich auf Wartung- und Reparaturarbeiten von Bi­ogas-Anlagen spezialisieren sowie Studenten das Thema betreffender Ausbildungs­gänge der Universität von Nairobi und eventuell anderer Ausbildungseinrichtungen, denen Biogas-Workshops mit praktischer Anschauung als zusätzliches Ausbildungs­modul  angeboten werden. SLP entwickelt einen Online-Test, der am Ende der Schu­lung erfolgt und der für zukünftige Schulungen verwendet werden kann. Dieser Test wird auch auf einer zu erstellenden Online-Plattform des Projektes zur Verfügung ste­hen und kann von den ausgebildeten Trainern weiterverwendet und ggf. adaptiert werden.

 

3. Einrichtung eines Biogas Test- und Analysenlabors

Das Labor dient Studenten und zukünftigen Laboranten zu Forschungs- und Übungszwecken. Hier werden u.a. verschiedene organische Substrate auf ihre Ver­gärbarkeit und Gasausbeute hin untersucht, Gasgemische analysiert, Anlagenpara­meter optimiert und definiert.

 

4. Schulung von mindestens 4 lokalen Laboranten

Die Schulung findet vor Ort im neu eingerichteten Labor durch einen - vorab durch einen Experten von SLP oder einen externen Experten - geschulten Mitarbeiter eines Projektpartners statt. Die Auswahl der Laboranten wird mit den Partnern bei Pro­jektbeginn festgelegt. Die Dauer der Ausbildung beträgt mindestens 1 Woche und vermittelt den Teilnehmern die Grundlagen der Gärbiologie sowie die Durchführung von Bicarbonat-Tests.  Die Teilnehmer werden zudem in der Lage sein, die Funktions-weise der Biogasanlagen zu erläutern und Analyseergebnisse einzuordnen, zu be­werten sowie darauf basierende Empfehlungen auszusprechen. Der Ausbildungsplan wird von SLP erarbeitet, am Ende der Ausbildung steht hier ebenfalls ein Online-Test.

Biogas Management School

Kontakt

Snow Leopard Projects GmbH

Marktplatz 23

94419 Reisbach

Tel: +49 8734 93977-0

Fax: +49 8734 93977-20

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